Blog · Freiheit & Unternehmertum

Einfach mal machen: Warum Freiheit Unternehmen wachsen lässt

Grüner Schaukelstuhl auf einer Holzveranda mit Herbstlaub

Mein Unternehmertum begann mit einem grünen Schaukelstuhl. Kein Businessplan mit zwanzig Anlagen, kein Förderantrag, kein Gremium, das vorher prüfen musste, ob ein Schaukelstuhl volkswirtschaftlich sinnvoll ist. Da war eine Idee, ein bisschen Mut und die Freiheit, es einfach zu versuchen. Aus diesem Versuch ist 2004 American Heritage geworden.

Ich frage mich manchmal, ob dieser Schaukelstuhl heute noch so leicht losschaukeln dürfte. Oder ob er erst eine Nachweispflicht, eine Dokumentation und eine Beratungsrunde bräuchte.

Ausgelacht von der Bank – und trotzdem losgelegt

Am Anfang hatte ich kein Kapital. Also bin ich, wie man das eben macht, zu einer Bank gegangen. Dort hat man mich quasi ausgelacht. Mein Geschäftsmodell sei „nicht tragbar". Die Bankexperten haben mich wieder nach Hause geschickt, mit dem freundlichen Rat, mir doch etwas anderes zu überlegen.

Heute muss ich darüber schmunzeln. Und ein bisschen stolz bin ich auch.

Mit der Unterstützung meiner Familie habe ich trotzdem einen Weg gefunden. Leicht war er nicht. Ich musste immer strenge Haushaltsdisziplin wahren. Was ich nicht selbst machen konnte, konnte ich mir kaum einkaufen, weil es schlicht zu teuer war. Mitarbeiter kamen erst nach und nach dazu. Und alle Einnahmen wurden sofort wieder ins Unternehmen gesteckt.

Genau das gibt mir bis heute unternehmerische Freiheit. Wer sich selbst finanziert, muss niemanden um Erlaubnis fragen. Natürlich bin ich auch ein bisschen trotzig, das gebe ich zu. Aber die Freiheit, Unternehmensentscheidungen selbst zu treffen, ist mir sehr wichtig. Und ich kann auch mal etwas ausprobieren, ohne vorher ein Gremium zu überzeugen.

Ausprobieren und Mut gehören für mich einfach dazu, auch außerhalb des Unternehmens. Ich habe sogar schon einmal eine Flugstunde genommen und selbst einen Helikopter geflogen. Man muss sich eben auch mal trauen.

Sabine Ryan vor einem Helikopter, den sie selbst geflogen ist
„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, sang Reinhard Mey. Man muss sich aber auch trauen und mal eine Flugstunde nehmen.

Die Episode hat mich noch etwas gelehrt: Experten wissen nicht immer alles besser. Die Bank hatte ihre Tabellen und Kennzahlen. Was sie nicht hatte, war mein Wissen über die Produkte, die Kunden und meine eigene Hartnäckigkeit. Genau darum geht es im Kern dieses Textes.

Unternehmerische Freiheit ist kein Luxus, sondern Werkzeug

Unternehmer sein heißt gestalten. Ein Sortiment zusammenstellen, eine eigene Marke wagen, einen Laden eröffnen, weil Kunden die Produkte sehen und probieren wollen. Jede dieser Entscheidungen braucht Spielraum. Wer gestalten soll, muss auch entscheiden dürfen, auch falsch.

Freiheit ist für mich deshalb kein abstraktes Ideal aus dem Philosophieseminar. Sie ist ein Werkzeug, so selbstverständlich wie eine Kasse oder ein Lieferwagen. Nimmt man es weg, bleibt das Unternehmen stehen. Nicht sofort, aber zuverlässig.

Kapital ist die beste Suchmaschine der Welt

Was Adam Smith schon 1776 beschrieben hat, lehrt mich die Praxis jeden Tag: Wenn viele Menschen ihren eigenen Vorteil verfolgen, entsteht daraus oft ein Nutzen für alle, als würde eine „unsichtbare Hand" sie lenken. Der Bäcker backt nicht aus Nächstenliebe, sondern weil er verdienen will. Trotzdem haben wir morgens frische Brötchen.

Friedrich August von Hayek hat das später noch weitergedacht. Sein Punkt: Das Wissen in einer Wirtschaft ist verstreut. Niemand kennt alles. Der Händler weiß, was seine Kunden mögen. Der Spediteur weiß, wo es gerade hakt. Der Hersteller weiß, was ein Rohstoff wirklich kostet. Kein Ministerium der Welt kann dieses Wissen einsammeln, so wenig wie meine Bank damals wissen konnte, was meine Kunden wollen. Aber der Preis kann es. Er bündelt Millionen kleiner Informationen in einer einzigen Zahl.

Kapital funktioniert wie eine Suchmaschine. Es sucht ständig den Ort, an dem es am meisten bewirkt. Steigen die Preise für ein Produkt, signalisiert das: Hier fehlt etwas, hier lohnt es sich. Fallen sie, heißt das: Genug davon. Niemand muss das anordnen. Es passiert einfach, solange man das Signal nicht verfälscht.

Als Importeur sehe ich das jeden Tag. Wenn ein Produkt nicht läuft, merken wir das schnell und reagieren. Wir nehmen es aus dem Sortiment und probieren etwas Neues. Das ist Marktwirtschaft im Kleinen: ausprobieren, lernen, umsteuern.

Die Spirale der guten Absichten

Jetzt kommt der Teil, bei dem ich gern etwas ironisch werde. Denn meistens beginnt es mit einer guten Absicht.

Ein Produkt wird teurer. Die Politik findet das ungerecht und deckelt den Preis. Klingt nett. Nur: Wenn sich die Herstellung nicht mehr lohnt, wird weniger produziert. Das Angebot wird knapp. Jetzt gibt es ein neues Problem, also eine neue Maßnahme: eine Subvention für die Hersteller. Die kostet Geld, das irgendwo herkommen muss. Und weil die Subvention missbraucht werden könnte, braucht es Kontrollen, Formulare, Nachweise. Und dafür eine Behörde.

Ludwig von Mises hat dieses Muster schon vor rund hundert Jahren beschrieben: Ein Eingriff erzeugt Probleme, die den nächsten Eingriff rechtfertigen. Am Ende steht man vor einem Knoten, den keiner mehr aufbekommt, und jeder Knoten wurde mit den besten Absichten geknüpft.

Das Problem sind dabei oft nicht schlechte Menschen, sondern fehlende Praxis. Viele Berufspolitiker haben nie ein Unternehmen von innen gesehen. Wer nie eine Lieferung kalkuliert, nie eine Gehaltsabrechnung verantwortet und nie nachts über einen Wareneinkauf gegrübelt hat, unterschätzt leicht, was eine neue Vorschrift im Alltag bedeutet. Auf dem Papier sieht vieles einfach aus. Im Laden sieht es anders aus.

Bürokratie: das Kleingedruckte des Alltags

Ein Beispiel, das jeder kennt: die Belegausgabepflicht, besser bekannt als Kassenbonpflicht. Seit dem 1. Januar 2020 muss jeder, der eine elektronische Kasse nutzt, zu jedem Verkauf einen Beleg ausstellen, auf Papier oder elektronisch. Auch für einen einzelnen Schokoriegel. Ob der Kunde den Bon will, spielt keine Rolle. Er darf ihn liegen lassen. Dazu kommt die zertifizierte Sicherheitstechnik in der Kasse.

Das Ziel, Steuerbetrug zu verhindern, ist legitim. Aber es zeigt, wie Regeln funktionieren: Sie treffen alle, auch die Ehrlichen, und sie kommen selten allein. Bei uns als Importeur sind es Zolldokumente, Kennzeichnungspflichten, Etiketten in deutscher Sprache, Aufbewahrungsfristen, Nachweise. Jede davon will gelesen, verstanden, umgesetzt und dokumentiert werden. Jede einzelne Regel hat vielleicht ihren Sinn. Zusammen sind sie ein Rucksack, der jedes Jahr ein bisschen schwerer wird.

Vieles davon kommt inzwischen aus Brüssel. Ich halte die EU für einen der größten Treiber der Überbürokratisierung, und ich würde mir wünschen, dass sie sich auf einen verlässlichen Rahmen konzentriert, statt jedes Detail zu regeln.

Und die Zeit, die wir mit Formularen verbringen, fehlt beim Gestalten. Beim neuen Produkt, beim Gespräch mit Kunden, bei der nächsten Idee.

Warum Planwirtschaft nicht wächst

Man kann das auch im Großen betrachten. Deutschland hat dazu ein ziemlich eindrucksvolles Experiment gemacht, wenn auch kein freiwilliges. Gleiche Sprache, gleiche Geschichte, gleiche Ausgangslage nach dem Krieg. Im Westen entschied der Markt, im Osten der Plan. Das Ergebnis kennen wir: Im Westen füllten sich die Regale, im Osten wartete man jahrelang auf ein Auto.

Das lag nicht daran, dass die Menschen im Osten weniger fleißig oder weniger klug gewesen wären. Es lag am System. Ein Plan kann Hayeks verstreutes Wissen nicht einsammeln. Ohne echte Preise fehlt das Signal, wo etwas gebraucht wird. Und ohne die Freiheit, zu gewinnen oder zu scheitern, fehlt der Antrieb, etwas besser zu machen. Sozialistische Systeme verteilen, was da ist. Wachstum, also das, was neu dazukommt, entsteht dort kaum.

Inflation: die Steuer, über die niemand abstimmt

Und dann ist da noch die Inflation. Sie ist für mich die heimlichste aller Steuern. Niemand beschließt sie im Parlament, sie steht auf keinem Steuerbescheid, und trotzdem nimmt sie jedem etwas weg. Wer Geld spart, kann sich davon später weniger kaufen.

Für Unternehmen ist Inflation vor allem eines: Nebel. Wer im Nebel fährt, fährt langsamer. Wenn ich heute Ware bestelle, die erst in einigen Monaten ankommt, muss ich ahnen, was sie dann kostet und was Kunden bereit sind zu zahlen. Bei Importware kommen Wechselkurs und Frachtkosten dazu. Ein schwankender Dollar kann eine sauber gerechnete Kalkulation in kurzer Zeit auf den Kopf stellen. Und wenn die Frachtraten steigen, steckt das in jedem Glas und jeder Packung, die bei uns im Regal steht.

Dann die Preisschilder. Jedes Mal, wenn wir Preise anpassen müssen, ist das Arbeit, und es ist unangenehm. Kunden merken es, wir merken es auch. Gleichzeitig wollen Mitarbeiter zu Recht, dass ihr Gehalt mithält. Das alles passiert gleichzeitig und macht Planung schwer.

Das Tückische: Inflation entsteht nicht im Laden, auch wenn man sie dort zuerst sieht. Sie entsteht, wenn mehr Geld im Umlauf ist, als Güter da sind. Und oft folgt dann der nächste Eingriff, gegen die Symptome. Willkommen zurück in der Spirale.

Mein Plädoyer: Rahmen statt Korsett

Ich bin nicht gegen Regeln. Ein Markt braucht einen verlässlichen Rahmen: Eigentum, Verträge, stabiles Geld, faire Gerichte. Aber ein Rahmen ist etwas anderes als ein Korsett. Der Rahmen gibt Halt. Das Korsett nimmt die Luft.

Was ich mir wünsche, ist mehr Vertrauen in die Menschen, die jeden Tag etwas aufbauen. Mehr Politiker, die einmal selbst eine Kalkulation gemacht haben. Und stabiles Geld, damit wir wieder weiter als bis zur nächsten Preisrunde planen können.

Freiheit verschwindet selten auf einen Schlag. Sie stirbt stückchenweise, mit jeder gut gemeinten Regel, jedem neuen Formular, jedem weiteren Eingriff. Deshalb müssen wir sie uns zurückholen, Stück für Stück. Und am besten fängt man damit an, einfach mal zu machen.

Sabine Ryan

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